So gewinnt man den Celtic Warrior Ultra – Interview mit Christopher von Stelzer

So gewinnt man den Celtic Warrior Ultra – Interview mit Christopher von Stelzer

So gewinnt man den Celtic Warrior Ultra

Interview mit Christopher von Stelzer

Christopher von Stelzer, 2.Platz bei Rats-Runners Series, OCR, teamchriscross.de
Foto: Rats-Runners/Rudolf Schuler

Das folgende ist eine sinngemäße Zusammenfassung, des Interviews mit Christopher von Stelzer im Rahmen der 4. Episode unseres Crosscast. Für den genauen Wortlaut und das gesamte Gespräch hör dir gern die entsprechende Podcastfolge an.

2015, das SpartanRace in München, mit einer Freundin einfach mal just for fun angemeldet. Wie fast jeder so zum OCR kommt.

Was war dein erster Erfolg?

Die Rats Race Series. Ich bin unerwartet  2. geworden, dann hab ich auch die anderen Rennen bestritten und konnte den 2. Platz verteidigen. Danach bin ich zum Europe’s Toughest Mudder gefahren und hab dort auch den 2. Platz geholt.

Was hast du für Equipment beim Europe’sToughest Mudder benutzt?

Ich habe mir viele Gedanken gemacht. Ich habe mich voll ausgestattet mit einem Neopren-Shorty und Handschuhen. Den Neopren hab ich direkt zuhause vergessen (lacht). Sonst Erste Hilfe-Kit, Pancakes.

Was isst man über 8 Stunden?

Aufjedenfall was Festes. Bis zu 4-5 Stunden reichen mir Gels, aber danach bekomme ich auch langsam Hunger und muss was Festes essen in Form von Riegeln oder Pancakes. Also Pancakes mit zusätzlich Oats und Proteinpulver. Das Essen muss sehr schnell, sehr viel Energie liefern, sollte aber vorher auf die Verträglichkeit getestet werden. Beim Celtic Warrior habe ich kein festes Essen mitgenommen, weil ich 4-5 Stunden eingeplant hatte. Durch die Wetterbedingungen hat das ganze aber länger gedauert, weil es super schlammig war. Dann hat sich ab dem 40. Kilometer der Magen gemeldet und habe dann eine Gulaschsuppe gegessen.

Wo war der Celtic Warrior und was zeichnet den Lauf besonders aus?

Der Celtic Warrior Ultra ist der extremste Hindernislauf in Österreich. Hier wird dann 3 Mal die gleiche 15 Kilometerrunde gelaufen. Dann hat es dieses Jahr bei 3-4 Grad angefangen zu regnen. Hier war dieses Jahr der Neopren angebracht, da man durchgehend nass war. Es werden etliche Seen und Flüsse durchlaufen.
In der ersten Runde haben wir schon gemerkt, dass es etwas länger dauert. Normalerweise hat der erste so 6:30h als Zielzeit, aber dieses Jahr knapp 8 Stunden. Durch die nassen und steilen Abhänge war laufen garnicht mehr möglich. Deshalb haben viele die 2. Cut-Off nicht mehr geschafft. Insgesamt haben es nur knapp 14 Läufer ins Ziel geschafft. Die Cut-Off Zeiten haben geregelt, dass die Läufer nicht im Dunkeln ankommen.
Organisiert wird der Celtic Warrior durch einen Verein, weshalb es kostenfreie Parkplätze gab und die Hindernisse und Strecke war liebevoll gestaltet. Mir reichen die kleinen Holzhindernisse, ich brauche keine krassen großen Hindernisse.

Wie fühlt man sich so, wenn man von Beginn an vorne mit dabei ist?

Ich will nicht überheblich klingen, weil jeder für sich das Beste rausholt und an seiner Grenze läuft. Es gibt für mich keine schlechten oder guten Läufer, sondern nur schnellere und langsamere Läufer. Euch zu überholen ist natürlich immer eine coole Sache (Lacht). Ich brauch immer jemanden um mich herum, damit man den Kopf ausschalten kann. Dann Läuft man wesentlich entspannter. Wenn man alleine ist, fällt es wirklich schwer den Kopf frei zu bekommen.

Wie fühlt man sich nach dem Überreichen der Leader-Bib?

Ich hab damit garnicht gerechnet, es stand halt schon fest, dass wir aufjedenfall auf das Podest kommen. Das war ein richtig cooles Gefühl! Ich hab mir nochmal was Trockenes angezogen und nochmal durchgezogen, um die 10 Runden voll zu machen. Die letzte Runde war nochmal richtig cool.

Welches Rennen willst du unbedingt nochmal machen?

Beim World’s Toughest läuft der Gewinner 100 Meilen, da rechne ich mir auch gute Chancen aus und möchte da aufjedenfall mal hin. Es geht mir aber in erster Linie um die Länge, so ein 100 Meiler, 12 Stunden oder 24 Stunden Lauf möchte ich unbedingt nochmal machen, um meinen Körper und mein Geist auf ein ganz neues Level zu bringen. Auch auf 5 Kilometer kann man sich verausgaben, aber ich will an den Punkt kommen, wo der Körper nicht mehr kann, aber der Geist noch will.

Du bist ja Fachmann in Sachen Laufschuhe. Was muss der perfekte Schuh können?

Ich studiere Sports Engineering, habe ein Praktikum bei Adidas gemacht und arbeite gerade bei ON. Ich konnte mein Hobby so zum Beruf machen. Ich habe aktuell viele verschiedene Laufschuhe, damit mein Fuß immer wieder neue Reize erfährt – Der perfekte Schuh muss einfach passen! Die Farbe und Marke sollte keinen Einfluss haben.
Für den OCR ist auch die Außensohle sehr wichtig, es sei denn die Strecke ist sehr betonlastig, wie der Spartan in München. Ich warte auch noch auf OCR Schuhe von großen Herstellern.
Barfußschuhe sind cool, man muss aber die richtige Technik erlernen. Das Problem ist, dass ein Großteil der Menschen Fersenläufer sind. Das schöne an Barfußschuhen, wenn man eine gute Technik hat, ist, dass diese schön leicht sind. Ich selbst bin auch schon öfter im Training mal barfuß gelaufen, aber mehr so auf dem Rasen. Ich war jetzt auch in Indien, hier laufen sehr viele Leute barfuß oder in so Surfschuhen, weil die Inder sagen, dass man zum Laufen keine Hightech-Schuhe benötigt, sondern nur den Körper.

Wie findest du den Trend mit möglichst dicken Laufschuhen?

Der Trend ist rückläufig. Beim Gehen rollt man über die Ferse ab, aber Laufen ist nicht gleich schnelles Gehen. Die Schuhhersteller haben dann das Ganze auf die Spitze getrieben. Hier gibt es genug Studien, die zeigen, dass das Vorfußlaufen auf Dauer verletzungsfreier ist und dass der Stoß auf den Körper durch ein dickes Fersenpolster kaum verändert wird. Jeder, der Springt, Springt mit dem Vorfuß, niemand würde mit der Ferse springen.

Gehst du ins Fitnessstudio und aufs Laufband?

Nein, ich gehe nicht auf das Laufband, dafür gehe ich auf die Straße oder in den Wald. Eventuell mal auf die Laufbahn für die Intervalle. Ich bin tatsächlich kein Mitglied in einem Fitnessstudio. Wer schnell laufen will muss schnell laufen, deshalb liegt hier mein Fokus. Ich gehe dafür gerne mal in Calisthenics Parks für Klimmzüge, Burpees und Eigengewichtübungen. Je nach Saison habe ich auch verschiedene Umfänge. Beim Tapering auch mal zwei Tage nichts machen und essen, aber es kommen auch mal Wochen mit 100 Kilometer zustande. Zwei bis dreimal die Woche bin ich dann am Krafttraining machen, auch Bouldern zählt dazu.
Beim OCR kann aber alles Krafttraining sein, wenn man im Garten einen Baum fällt und Holz schleppt, ist das auch schon OCR Krafttraining. Um mal die Gelenke zu schonen gehe ich auch gern schwimmen, hier wird das Herz-Kreislaufsystem gestärkt, aber die Gelenke geschont. Ich habe auch keinen festen Trainingsplan, habe aber so ca. zwei schnelle Einheiten wie zum Beispiel 400m auf der Bahn. Ich gehe natürlich an meine Grenzen, man muss aber auch darauf achten genug Regeneration zu haben.

Machst du Mobility Training?

Ja, ich muss mich dazu zwingen, aber es gehört ja dazu. Gerne mach ich das ganze abends vorm Fernseher, dass ich mich auf die Faszienrolle, statt auf das Sofa lege. Ich mache auch gelegentlich mal Yoga, man merkt schon, dass der Körper sonst steif wird.

Was hast du aus dem Höllencamp mitgenommen?

Ich habe mich einfach mal angemeldet. Erstmal war das ganze ein Schock mit dem Umgang der Ausbilder! Hier habe ich gelernt, einfach den Kopf auszuschalten und einfach zu machen. Wenn man im Alltag in eine unbequeme Situation kommt, muss man einfach machen, alles andere bringt einem nichts! Man muss auch ins kalte Wasser gehen, um ins Ziel zu kommen. Teamwork ist aber auch sehr wichtig. Ich würde auch wieder reingehen, weil man sich freiwillig nie solchen Szenarien aussetzen würde und man nur dazu lernen kann. Hier lernt man sich ganz neu kennen – Wie reagiert mein Körper auf Stress oder ohne Schlaf. Ich habe mich ja auch total verlaufen nach den 3 Tagen ohne wirklichen Schlaf.

Ist OCR für dich ein Teamsport oder Einzelevent?

Ich habe natürlich auch im Team angefangen. Man hat sich dann an den Hindernissen geholfen. Auch wenn ich jetzt Elite laufe und nicht jedem helfen kann und darf, ist das ganze für mich Teamsport. Es ist ein super Teamspirit – man bekommt überall Hilfe angeboten oder eine Hand ausgestreckt. Der Sport ist einzigartig.

Hast du ein Motto?

Ouh man, damit tu ich mich schwer. Ich will meine Grenzen austesten. „Just do it“ bringt es ziemlich auf den Punkt. Wenn du Ziele hast, wird es nicht besser, wenn du zu Hause davon träumst. Du musst rausgehen und machen und für deine Ziele kämpfen. Ich melde mich immer wieder zu kleinen Volksläufen an, damit ich Ziele habe, wo ich fit sein muss. Das hilft mir schon.

Was rätst du jemandem, der mit dem OCR anfangen will?

Meld dich erstmal an, damit du ins Handeln kommst. Dann meldest du dich sowieso für viele weitere an. Mach dir danach erst Gedanken. Ihr solltet die Distanz, die ihr euch vornehmt, laufen können. Hindernisslauf ist etwas schwieriger. Und geht mal in den Wald auf unebenen Boden trainieren, um euch vorm Umknicken zu bewahren. Beim Krafttraining reichen da die Basics aus. Meldet euch einfach an!

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