Meldeläufer: 1001km laufen am Stück

Meldeläufer: 1001km laufen am Stück

Meldeläufer: 1001km laufen am Stück

Unser heutiges Interview ist mit einem extremen Läufer. Seine Einstellung zum Laufen ist für uns wirklich bemerkenswert. Wir konnten aus dem Gespräch viele interessante Inhalte und Punkte mitnehmen. Die Podcastqualität ist leider etwas schlecht, hier nochmal das Interview zum nachlesen mit Michael Frenz von Meldeläufer. Michael ist Ultraläufer. Unsere längste Distanz war beim Worlds Toughest Mudder 80 Kilometer. Für Michael ist das wahrscheinlich eine kleine Runde. Denn: er möchte beim Megarace mit 1001km am Stück das Ultralaufen auf eine ganz neue Dimension bringen!

Michael Frenzl - Der Meldeläufer

TCC: Hallo Michael. Stell dich doch bitte einmal näher vor!

MF: Hallo, ich bin Michael Frenz und selbstständig mit Meldeläufer.de. Seit 2007 bin ich Ultraläufer und habe ganz klein angefangen mit 100 km. Die erste Erfahrung war fürchterlich, weil ich total am Ende war. Dennoch hat mich die Geschichte unglaublich gereizt und deshalb bin ich da dran geblieben. Ich bin dann zum Skyrace gekommen, das ist ein Lauf über 420km. Ich habe dann gemerkt, wenn man eine Woche unterwegs ist, ist das mehr als Ultralaufen. Das ist ein Run and Hike. Das ist nochmal etwas ganz anderes. Ich habe dann geschaut, was man in Deutschland als längste Strecke machen kann. Der Golsteig Wanderweg hat hat 661km. Seit 6 Jahren organisiere ich den Goldsteig Ultra. Mit der Tschechischen Seite kann man die Strecke auf 1001km erweitern, so ist das Megarace entstanden.

TCC: Als OCRler, wo Wettkampfdistanzen zwischen 10k und Halbmarathon üblich sind, können wir uns 1001km absolut nicht vorstellen. Das ist der Wahnsinn!

MF: kann ich auch noch nicht.

So trainieren Ultraläufer

TCC: Wie sieht für solche Distanzen dein wöchentlicher Laufumfang denn aus?

MF: Ich denke, viel ist wirklich Kopfsache. Wir sind als Menschen ja geboren zum Laufen. Die Beine sind besonders kräftig, von Natur aus sind wir Läufer. Eigentlich sind wir aber weniger Läufer auf hartem Boden, sondern eher Savannenläufer mit weichem Untergrund. Das kommt uns Trailläufern zu gute. Wenn ich jetzt aber sage, ich mache Laufen und Wandern im Wechsel und bin in der Woche so 12 Stunden wandernd und laufend unterwegs bin ich auf der richtigen Richtung. Viel wichtiger aber ist wirklich der Wille. Wie sehr will ich ans Ziel? Zusätzlich ist der Leidenswille ein wichtiger Faktor. Wie sehr bin ich bereit, kleine Verletzungen wie Hautabschürfungen und Blasen oder Druckstellen in Kauf zu nehmen und den Schmerz weg zu denken. Kann ich das mental wegstecken? Diese Verletzungen sind nur unangenehm, aber nichts gefährliches. Das Zweite ist: Kann ich die Signale meines Körpers richtig deuten. Habe ich hunger? Habe ich durst? Bin ich müde oder erschöpft? Und kann ich dann adäquat darauf reagieren? Durch langes Wandern und Laufen bekommt man die Erfahrung und ist ungeheuer leistungsfähig. Nicht schnell, aber unglaublich leistungsfähig!

Das Megarace: 1001km

TCC: Lass uns doch zunächst einmal auf das Megarace eingehen. Kannst du einmal ein paar Hardfacts nennen: Wie ist die Organisation? Wie weit muss ich am Tag laufen?

MF: Zu den Hardfacts: 1001km ist die Strecke lang. Diesen 1 Kilometer habe ich dazu gelegt, weil es dann märchenhaft ist. Wie in 1001 Nacht. Außerdem wollen wir sicher gehen, dass wirklich 100o Kilometer gelaufen wird und nicht nur 999km. Das wäre super ärgerlich. Der Start befindet sich im Bayrischen Wald. Ich hole die Läufer mit dem Bus ab. Zunächst gibt es eine erfundene Strecke, die auf den Tschechischen Teil des Goldsteig führt. Insgesamt gibt es zwei verschiedene Arten von Versorgungsstationen. Es gibt die Aid Station und die Life Station. Insgesamt gibt es davon 6 Stück auf der Strecke. Diese sind in Hotels oder Gasthäusern gelegen. Dort bekommen die Läufer ein warmes Essen und Zimmer zum Schlafen, Duschen und Ausruhen. Hier dürfen sie maximal 12 Stunden ruhen. Es darf nunmal kein Etappenlauf sein, was möglich wäre, wenn schnelle Läufer dabei sind. Es soll wirklich ein nonstop Lauf sein. In den Aid Stations, die dazwischen liegen, sind es insgesamt 10. Das sind Zelte oder Ferienhäuser. Hier dürfen die Läufer maximal 6 Stunden bleiben. Hier gibt es kein Bag Drop. Zusammen sind es 16 Stationen. Wenn man alle Stationen nutzt, ist es ein Tagespensum von 80 Kilometer. Nun ist die Strecke aber nicht eben, sondern es gibt sehr viele Berge. Zu Beginn auf der flachen Strecke sollte man mehr Gas geben, um hinten raus noch Puffer zu haben. Die Mitte ist besonders reich an Bergen. Deshalb gibt es Cut-Off-Zeiten. Die erste liegt bei 4,3 km/h. Am Ende ist es 3,0 km/h.

TCC: Wenn du sagst etwas bergiger: Wie viele Höhenmeter sind insgesamt zu absolvieren? Worauf müssen sich die Läufer einstellen?

MF: Circa 35.000 hm! Das ist eine ganze Menge, vorallem weil ein gutes Drittel wirklicher Singletrail ist. Das sind 330 km Trail. Davon ist das Meiste in der Mitte. 350km ist Anlaufen, dann geht es in die bergige Region, wo es circa 20.000 hm sind und dann geht es locker ins Auslaufen.

TCC: Was war eure Motivation das Megarace zu initiieren. Es gibt ja einige Ultraläufe, doch was habt ihr euch überlegt: Warum muss es das Megarace geben?

MF: Warum? Naja, wenn man auf die DUV Seite geht, das ist die Deutsche Ultramarathon Vereinigung, steht da „Wir machen dort weiter, wo Marathon aufhört“. Und ich habe mir gesagt, ja, das ist großspurig, aber wo man Recht hat, hat man Recht. Alles in der Welt entwickelt sich ja weiter. Deshalb habe ich gedacht, es ist Zeit, dass es nicht nur Ultraläufer, sondern auch Megaläufer gibt. Früher waren 100km besonders. Dann kamen aus Amerika die 100 Meilen Läufe. Mittlerweile sind die 200 Meilen normal, das ist so die neue Distanz. Und in Deutschland haben wir auch unzählige Strecken, die deutlich länger als 100 Meilen sind. Ab 500 Kilometer wird das Rennen für mich aber was ganz neues. Das ist kein Ultra mehr, das ist ein Megarace. Das weiß ich einfach aus eigener Erfahrung meiner Läufe. Nach 500km zählen einfach andere Dinge als beim Ultra. Ich dachte mir dann: Wo kann man schon 1000 Kilometer machen? Ich habe nie gedacht, dass es so viele werden! Echt Wahnsinn!

Das richtige Equipment für Ultradistanzen

TCC: Was brauche ich denn für Equipment um 1000 Kilometer zu laufen? Was ist wirklich wichtig und notwendig? Was muss ich anziehen?

MF: Die Equipmentfrage ist wirklich entscheidend! Nimm nie mehr als 8 Kilogramm mit. Du musst das Gewicht ja über die ganze Zeit tragen. Außerdem brauchst du eh meistens nicht mehr und schleppst das unnötigerweise mit. Es muss alles möglichst leicht sein. Das beginnt schon beim Rucksack: Wiegt der Rucksack leer 1kg, dann bekomme ich diesen Kilogramm nie mehr los! Wer sagt mir denn, dass ich die Trinkblase von 3 Litern voll machen soll? Wenn ich merke, ich brauche nur 2 Liter, nehme ich nur 2 Liter mit. Allerdings bleibt das Gewicht des Rucksacks. Die Sachen, die du immer dabei hast, die sollten wirklich ultra leicht sein. Was du in den Dropbags hast, wie Handschuhe, Mützen und alles weitere, kann auch mal etwas schwerer sein und billiger. Das hast du ja nicht die gesamte Zeit mit dabei. Das 2. Ist garnicht die Marke, sondern wie gut kann ich damit umgehen? Viele Trailläufer gehen mit ihrem Rucksack um, als sei es Ballast. Niemand möchte anhalten und im Rucksack kramen. Ein Wanderer macht das so. Trailläufer schleppen ihre Sachen mit und nutzen sie nicht. Dann kann man den Rucksack aber auch zu Hause lassen. Besonders die Läufer im Mittelfeld oder hinten haben lieber einen Riegel mehr mit dabei, weil „den kann man ja mal gebrauchen.“ Allerdings wiegt jeder Riegel 80-100g, das ist unnötiger Ballast, wenn du ihn nicht benutzt.

TCC: Keep it simple hast du ja auch schon bei Ryan Atkins beim Spartan Ultra in Schweden gesehen. Er hatte ja auch nur Jacke, Hose und Handschuhe dabei. Auf den Bildern von vielen Ultras und Trails sieht man Läufer mit Stöcken. Bringt das was? Brauch ich das unbedingt?

MF: Ja, Stöcke ja oder nein… bei Trailläufen ist das tatsächlich eine Geschmackssache. Jahrelang habe ich Stöcke benutzt, mittlerweile sage ich eher: Die Stöcke behindern mich. Beim Bergablaufen gehören Stöcke nicht mehr in die Hände. Einfach, weil der lange Stock ja irgendwo hin muss. Man gefährdet und behindert andere Läufer. Du bist einfach nicht mehr so dynamisch. Wenn du fällst, dann hast du die Hände zu einer Faust geballt. Das ist unpraktisch. Die Stöcke während des Laufens wegzustecken ist schwer und die Stöcke werden nicht weggesteckt. Einige Läufer rutschen mit den Stöcken immer mal weg und treffen den Hintermann am Schienbein oder sonstiges.

Beim Ultralaufen: lasst die Stöcke daheim. Trainiert eure Beine und ihr könnt besser laufen. Bei 100 Meilen die Stöcke mitnehmen, weil sich das Läuferfeld entzerrt. Da gibt es auch immer wieder große Marschanteile. Alles darüber: Nimm zumindest einen Stock mit, das entlastet. In der anderen Hand hast du ja dein GPS Gerät. Eine Hand braucht man immer mal zum Telefonieren, das GPS, für die Karte, mal ein Riegel essen… Da stört ein zweiter Stock!

TCC: Als jemand, der viel Zeit in seinen Schuhen verbringt: Was ist dir dabei wichtig?

MF: Schuhe sollten vorallem genug Raum bieten. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Schuhtypen: Enge Schuhe und breite Schuhe. Bei engen Schuhen werden die Füße zusammengedrückt. Die Kraft aus den Beinen wird direkt in den Boden gedrückt. Der Fuß kann da nicht mitarbeiten. Beim weiten Schuh brauche ich wesentlich bessere Muskulatur zum ausgleichen. Je athletischer ein Läufer ist, desto eher sollte man mit weiten Schuhen laufen. Je kompletter ein Athlet ist, desto mehr kann er auf die eigenen Ressourcen zurückgreifen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Bei schnellen Läufern sind enge Schuhe wichtig, auch wenn diese Läufer top Athleten sind. Laufe ich die 100km in 7 Stunden, hilft mir ein enger Schuh. Weil hier die Kraft besser übertragen wird. Anderen Läufern würde so ein Schuh eher schmerzen. Ich rate eher dazu einen weiten Schuh zu nehmen. Auch der Schuh sollte groß genug sein. Im Schuhladen am besten den Schuh anziehen und auf die Zehenspitze stellen. Klopft den Fuß so weit nach vorne, wie möglich. Kommt der Zeh vorne ran, muss der Schuh eine Nummer größer genommen werden.

Die richtige Ernährung auf Ultradistanzen

TCC: Was empfiehlst du für eine Verpflegung?

MF: Aufjedenfall Real Food! Das Essen sollte Lebensmittel sein, was man sich selbst zubereiten kann. Kartoffeln, Wurst- oder Käsebrot, Nüsse, Trockenfrüchte. Abraten kann ich von Schokolade, Süßgkeiten wie Gummibärchen und Gels. Das braucht man alles nicht. So ein Käsebrot ist eher angesagt. Je kürzer ich unterwegs bin, desto funktionaler sollte das Essen sein. Das können Nahrungsergänzungen gut sein, weil der Zucker dort schnell ins Blut muss. Ab 400 Kilometern nehmen die Läufer lieber Bratkartoffeln.

TCC: Was glaubst du: Wie viele Kalorien verbrauchst du auf 1000 Kilometern?

MF: Man darf ruhig davon ausgehen, dass so 5000-7000 Kalorien am Tag weggehen. Hochgerechnet sind es um die 100.000 Kalorien. Die meisten Starter sind ja nicht die Vollschlanken, weil du einfach Energiereserven benötigst.

TCC: Das war auch unser Eindruck: Die Marathonläufer, gerade im Leistungsbereich, sind eher die schlanken, dratigen Läufer, die Ultras haben immer etwas mehr drauf.

MF: Definitv. Das schadet auch nicht und ist auch gut so. Die Presse und Laufzeitschriften gaukeln uns einen idealen Läufertypen vor. Wenn du 2 Kilogramm zu viel auf den Rippen hast, denken viele, sie seien kein Läufer mehr. Wir sind alles Läufer! Wir haben alle einen Läuferkörper! Aber ja, nicht jeder kann eine Marathon Bestzeit damit laufen. Aber wir sind alles Läufer, so oder so.

Die richtige Motivation für 1001km

TCC: Was kannst du uns für Motivationstricks geben? Wie motivierst du dich während des Laufens? Wir haben mit einem Ironman geredet, der sich einen Smiley auf die Hand gemalt hat, damit er immer lacht, wenn er ihn sich anguckt.

MF: Naja, wenn es nurnoch 50 Kilometer sind, denkt man da einfach nicht mehr drüber nach. Da ist der Lauf durch. Eher ist es so: Was mach ich nach der Hälfte? Der nächste Lauf ist 80 Kilometer pro Runde und du machst zwei Runden. Jetzt siehst du dein Auto, deinen Rucksack, andere Läufer hören schon auf. Überleg dir rechtzeitig vor der Pit „Was brauchst du gleich wirklich?“ und denk an der Station nicht weiter drüber nach. Wenn du anfängst zu denken, dann hast du ein Problem. Das sag ich den Läufern beim Breefing zum Goldsteig Ultra auch jedes Mal. Denken ist der erste Schritt zum Aufgeben. Nicht denken, machen und die Probleme auf dem Trail lösen. Wenn man seine Blasen sieht, dann ist man im Jammer Modus. Wenn du wirklich aufgeben möchtest ist mein Tipp: Ruf zunächst einmal bei deinen Angehörigen an und wein dich da erstmal aus. Das tut auch gut. Dann sagt dein Partner: Du hast ein halbes Jahr dafür trainiert, willst du das jetzt aufgeben? Das hilft immer ungemein.

TCC: Hilft es dir, wenn in der Pit jemand für dich da ist und schon bestimmte Sachen zurecht legt?

MF: Das mache ich lieber alleine. Ich nehme mir mit einem Partner ja die Selbstständigkeit. Wenn ich jemanden habe, der in der Pit für mich sorgt, ist es ja eine Teamleistung. Ist das nicht der Fall, habe ich das aufjedenfall allein geschafft. Andernfalls muss ich mir immer sagen: Das war eine Teamleistung. Hätte ich das geschafft, wenn ich alleine gewesen wäre? Ich will ja wissen, ob ICH das schaffe. Es ist super angenehm, aber im Grunde braucht man das nicht.

TCC: Was war bisher so dein Highlight? Was war der schönste Ultra und deine weiteste Strecke?

MF: Definitiv meine zweite Teilnahme am Skyrace. Meine erste Teilnahme war grausam, weil es plötzlich einen Wintereinbruch gab. Da musste ich leider abbrechen, weil es dann in die Berge ging.

TCC: Machst du spezielles Mentaltraining?

MF: Nein, garnichts.

Brauchen Ultraläufer Krafttraining?

TCC: Und wie sieht das mit Krafttraining aus?

MF: Definitiv! Und das empfehle ich auch wirklich jedem! Wenn ich regelmäßig laufe, bei mir sind das 100km in der Woche, dann kann ich zwar verschiedene Läufe wie Intervalle, langsam, schnell, mit Gepäck, ohne Gepäck und so weiter viel trainieren, komme aber nur durch das Laufen an eine gewisse Leistungsgrenze. Wenn ich zusätzlich aber 2 bis 3 mal die Woche ins Fitnessstudio gehe, Beine und Rücken trainiere, dann komme ich wesentlich weiter. Wenn ich ein kompletter Athlet bin, profitiere ich einfach davon. Selbst wenn ich nur einen Centimeter größeren Schritt habe, bei hundert Meilen mit 400.000 Schritten sind das 400.000 Centimeter. Da sparst du ohne Ende Kraft und Kalorien. Wenn ich den Laufsport liebe, muss ich mich einfach um den kompletten Körper kümmern, da führt kein Weg dran vorbei. Wichtig ist aber auch, dass ich mich um die Gesundheit kümmern muss. Ich sehe immer wieder Athleten, die ein Rennen abbrechen mussten, weil sie Verletzungen haben, die nicht direkt mit dem Laufen zu tun haben. Du kannst einen Marathon nicht beenden, wenn du einen Schnitt im Finger hast oder entzündetest Zahnfleisch. Mein Apell: Kümmert euch allgemein um euren Körper! Als Ultraläufer kannst du nur so eine maximale Leistung erbringen, wenn du komplett fit und gesund bist!

TCC: Danke für das Statement! Macht Krafttraining und passt auf euren Körper auf. Hast du schonmal einen Hindernislauf gemacht?

MF: Ich bin total begeistert, es sieht richtig krass und extrem cool aus, allerdings habe ich unglaublich Angst davor, mich bei einem solchen Lauf zu verletzen, weil meine gesamte Vorbereitung dann dahin wäre. Wenn es dein Ziel ist, einen Hindernislauf zu machen, musst du eben auch dafür trainieren. Ich trainiere eben für etwas anderes. Daher lasse ich solche Spielerein erstmal weg. Wenn ich aber meine Ultras soweit durch habe, kann ich mir das aufjedenfall vorstellen.

TCC: Wenn du soweit bist, wir begleiten dich sehr gerne! Es gibt ja auch bestimmt für dich spannende Formate wie die 24 Stunden Events, wenn du nicht klein anfangen möchtest.

MF: Ich denke tatsächlich, dass ich erstmal klein anfangen werde, aber danke euch!

„Natur erleben und neue Wege wagen“

TCC: … und das von dem Mann, der 1001 Kilometer am Stück laufen wird. Wahnsinn! Wir haben auf Instagram noch gefragt, ob spannende Fragen sind. Hast du ein Lebensmotto?

MF: Mein Lebensmotto auf Meldeläufer ist „Natur erleben und neue Wege wagen“. Dazu kann ich wirklich nur aufrufen. Leute, wenn ihr Ultraläufer seid, geht nicht immer zu den gleichen Events. Klar, die sind cool, aber es gibt noch so viel mehr gute Events da draußen! Ultralaufen ist meistens in bestimmten Rahmen. Wenn man diesen Rahmen jetzt mal aufbricht und sich den Rucksack nimmt und sagt, „Ich mach das jetzt mal auf eigene Faust, ich brauche keine Aid Station“, wenn du eine Alpenquerung machst auf eigene Faust mit Run and Hike, das ist eine ganz neue Erfahrung. Du lernst dich und die Natur einfach ganz neu kennen! Reinhold Messner hat zum Ultralaufen mal gesagt: “Ich versteh garnicht, warum das so ein Hype ist. Ich habe das schon immer gemacht.” Wenn man Bergsteigen will, muss man einfach fit sein! Alles was ich anbiete dient lediglich den Athleten als Motivation: Mach es jetzt ganz alleine, du kannst es, mach es! Es ist großartig! Ich habe jetzt viele Athleten genau dazu motiviert und dieses Feedback bekommen!

TCC: Und aus dieser Idee heraus ist dann auch die Idee des längsten Singletrail Deutschlands entstanden?

MF: Ja genau. Wir waren unterwegs und haben uns gefragt: Wie kommt man auf eine große Runde ohne feste Straßen. Das ist wirklich ein super Abenteuer. Man sucht eine Wasserquelle und teilt sich einen Riegel brüderlich. Für Abenteuer musst du nirgendswo hin, du kannst das auch in Deutschland erleben. Das geht insgesamt über ein Jahr. Ich bin gespannt, was es da für tolle Bilder und Ergebnisse geben wird

TCC: Wo kann ich da genau mitmachen?

MF: Auf Meldeläufer.de. Du kannst einfach mit deiner Trailidee starten. Es geht auch garnicht darum, welches der Längste ist, sondern vorallem der Schönste! Du kannst Bilder schicken und etwas dazu schreiben. Am Ende wird dann der Gewinner ausgewählt.

Schwachstellen tapen und eincremen

TCC: Richtig gute Aktion! Jetzt nochmal zu den Community Fragen: Hier schreibt jemand: Man sagt ja, alle 500 km sollte man die Schuhe wechseln. Kaufst du dir für jedes Rennen neue Schuhe?

MF: Nein! Ich denke, diese feste Zahl ist eine Erfindung der Schuhindustrie, um neue Schuhe verkaufen zu können. Hier haben sie sich ja auch tausende Varianten überlegt: Trailschuhe, Straßenschuhe, Für nassen Boden, fürs Fitnessstudio, enge Schuhe, weite Schuhe… Da kommst du auf insgesamt 10 Paar Schuhe. Ich denke, ein Paar reicht! Du merkst ja von selbst, ob der Schuh hinnen ist. In der Regel ist immer das Obermaterial heile, meistens ist es die Sohle. Ich komme immer mit 2-3 Paar Schuhe im Jahr aus.

TCC: Hast du bestimmte Vorbereitungen oder Rituale die du in Vorbereitung machst, Kompression?

MF: Tapen ist ein wichtiger Punkt! Prävention ist super wichtig. Du weist ja, wo du deine Reibungsstellen und blasen hast, da kannst du viel mit Tapen viel erreichen. Auch eincremen ist super wichtig. Ich nehme auch immer Creme mit auf die Strecke. Ansonsten habe ich da nichts.

Meldeläufer: 3 Tipps damit auch du die 100km knackst

TCC: Hast du für uns noch einen Tipp: Wir wollen nächtes Jahr die 100 Kilometer knacken! Welche drei Tipps gibst du uns mit?

MF: Meine drei Tipps… jaa… Zunächst solltest du mental aufgeräumt an den Start gehen. Es darf beruflich, im Freundeskreis oder in der Familie nichts sein, dass dich mental beschäftigt. Während des Laufes sollte es auch keine Störung geben. Nimm kein Handy mit, es ist wie im Fitnessstudio, da gehört das einfach nicht hin. Tipp 2: So 4 bis 6 Wochen vor dem Start solltet ihr verstärkt auf die Ernährung achten. Wenig Mist essen, keinen Alkohol, keine Süßigkeiten, viel trinken und ausreichend essen und keine Diät machen. Der Körper soll alles einlagern, was er nur braucht, 100km sind viel Holz. Der dritte Tipp ist: Was brauche ich an Ausrüstung und Ernährung. Du brauchst kurzfristig nichts mehr. Du hast schon alles rechtzeitig. Teste dein Equipment rechtzeitig und gut ist.

TCC: Genau, wir wurden vorm Worlds Toughest Mudder gefragt, ob wir neue Schuhe kaufen. Aber da ist ja das Problem, dass du neues Equipment nicht getestet hast und weißt, wie es reagiert.

MF: Ich denke immer, das zeigt, dass der Athlet den Wettkampf nicht als Wettkampf sieht, sondern vielmehr als Event. Es gibt immer zwei Arten von Athleten: Die Wettkämpfer, die selbst eine Bestzeit knacken wollen und sich mit anderen messen. Hier geht es darum, das Beste zu geben. Die andere Art von Teilnehmern sind die Eventtypen. Diese wollen einfach druchkommen und das Event genießen. Diese Fragen eher nach Essen und Festivitäten. Da musst du dich vorher einordnen. Und das sollte nicht jedes Mal gleich sein. Es gibt Wettkämpfe, da will ich die Szene treffen und ein wenig quatschen. Das ist vollkommen in Ordnung. Dann gibt es aber auch Wettkämpfe, auf die bereite ich mich gezielt vor und brauche das alles nicht. Um wirklich Bestzeit zu laufen braucht man das.

TCC: Vielen Dank für die Einblicke! Da kann jeder etwas mitnehmen, egal welche Sportart er betreibt. Wo erreiche wir dich, wenn jemand noch Fragen hat?

MF: Entweder über info@meldeläufer.de, Facebook bei Meldeläufer, sonst sieht man sich irgendwo auf dem Trail.

Zusammenfassung, unserer Learnings

> Jeder Läufer sollte sein Equipment rechtzeitig testen.

> Nur ein kompletter Athlet ist ein richtiger Läufer. Achte auch auf deine Gesundheit und mache Krafttraining!

> Deine Ernährung sollte aus Lebensmitteln bestehen. Auf 1001km klappt auch super das Käsebrot.

> Habe wenige Wettkämpfe im Jahr, bei denen du alles gibst und mache sonst Events zum Spaß.

> Deine Einstellung ist alles!

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